Ein Manifest

 Die `Pataphysik ist Wissenschaft, Philosophie, Lehre und Praxis potentieller und imaginärer Wirklichkeiten, und damit „auch die Wissenschaft von der Vorstellungskraft. Ihr liegt alles zugrunde, ohne sie gäbe es keine Ideen, keine Neugierde, keine Illusionen, keine Forschungen, keine Experimente, keine Erfindungen. Die `Pataphysik ist die Wissenschaft aller Wissenschaften.

 (K. Ferentschik 2006)

 

 

(1) Närrisches Spiel oder Wissenschaft. Gedanken zur Geschichte der `Pataphysik

Seit jeher wird der `Pataphysik mit Misstrauen und Skepsis begegnet. Aussagen wie jene, dass sie die Wissenschaft der imaginären Lösungen darstellt, dass sie die Wissenschaft schlechthin sei, dass alles `pataphysisch sei, oder dass – obgleich alle `pataphysisch tätig sind – nur wenige von ihrer `pataphysischen Tätigkeit wissen, verleiten dazu, der `Pataphysik die Daseinsberechtigung zu entziehen und den `Pataphysikern eine anmaßende, elitäre Haltung zuzusprechen. Die Definitionen und Dogmen der `Pataphysik erscheinen als eine Mischung aus Tautologie, Gemeinplatz und Paradoxon, stehen eher singulär als durch ein System verbunden und lassen so bezweifeln, dass sich hinter all dem tatsächlich  so etwas wie eine Wissenschaft verbergen könnte. Gestützt wird diese Skepsis dadurch, dass der Begriff der `Pataphysik vom Schriftsteller Alfred Jarry im Theaterstück Roi Ubu als Persiflage auf die Naturwissenschaft geprägt wurde und in eben diesem Sinne vielfach bis heute in der Tradition von Narrenfesten und Narreninstitutionen ausgelebt wird.

Betrachten wir Alfred Jarrys Haltung der `Pataphysik gegenüber jedoch genauer, so erahnen wir, dass sich hinter seiner ursprünglichen Intention der Auflehnung gegen eine naturwissenschaftlich kausal bedingte Weltordnung nicht nur eine rein destruktive Revolte gegen ein deterministisches Korsett versteckt, sondern auch die Sehnsucht und Ahnung eines freieren Weltverständnisses. Dementsprechend kann man, in der Betrachtung von Jarrys Leben, auch die Metamorphose der `Pataphysik von einer Parodie der modernen Wissenschaft zu einer existenziellen Auseinandersetzung mit sich selbst und der umgebenden Welt erkennen. Der Faustrollschen Devise „das zu dem existierenden zusätzlich vorhandene Universum zu ergründen“ entsprechend, durchstreifte Jarry im Laufe seines Lebens in Exzessen mittels Alkohol und anderen Drogen Welten, die aus Sicht der naturwissenschaftlichen Perspektive als scheinbare und täuschende deklassiert werden und opferte damit seiner vagen Ahnung einer neuen `pataphysischen Welthaltung schließlich sich selbst.

Das Schicksal und die Kompromisslosigkeit Jarrys faszinierten und beschäftigten die nachfolgenden Künstlergenerationen und beeinflussten hierbei insbesondere französische Künstler. Demgemäß wurde am 41. Todestag Jarrys in Paris auch das Collège de la `Pataphysik gegründet, dem viele namhafte Künstler und Schriftsteller angehören. Dennoch: auch wenn der französische Surrealismus und der Dadaismus in Jarrys Ahnung einer Welt jenseits des deterministisch naturwissenschaftlichen Korsetts gründen, verharrte die `Pataphysik selbst bis heute in erster Linie in Jarrys ursprünglicher Begriffsbestimmung als Parodie der modernen Wissenschaft.

 

(2) Ein Ausblick auf die Grundzüge einer „pataphysischen Welthaltung

Wenn man die ´Pataphysik wirklich ernst nehmen will, bedarf es mehr als des traditionalistischen Wiederholens von singulären Sätzen. Es gilt, sie als Teil einer Welthaltung zu entdecken, sie im Zusammenhang eines Gesamtsystems zu erfassen. Einen ersten Versuch zu einem solchen entwarf das Institut für Wissenschaft und Forschung in Wien in den Jahren 1998-2013. Bemerkenswert erscheint dabei, dass sich das IWF selbst nicht als `pataphysische Institution begriff. Dennoch können sowohl in Bezug auf dessen Entstehungsgeschichte und Wirkung als auch in dessen Welthaltung viele Parallelen zur `Pataphysik aufgezeigt werden. Dementsprechend wurde auch das IWF in der öffentlichen Rezeption immer wieder in die Nähe der Persiflage von Wissenschaft gerückt, wogegen man sich selbst jedoch stets verwehrte. Dem IWF ging es schließlich nicht darum, sich über etwas lustig zu machen, sondern schlicht darum etwas Grundlegendes verstehen zu wollen. Im Zentrum stand dabei der Versuch, Realität zu mimen um das was wir als solche erfahren zu ergründen. Hierbei bediente man sich der krylovschen Methode, die sich dadurch auszeichnet herkömmliche wissenschaftliche Vorgangsweisen durch künstlerische und körperliche zu ergänzen. Künstlerische Darstellungsmöglichkeiten, wie Bilder, Ausstellungen, Performances, Hörspiele etc. wurden dabei aber nicht lediglich als Erweiterung des naturwissenschaftlichen Experiments verstanden, sondern auch als das Ergebnis einer Analyse. Rational logisches und ästhetisch logisches Vorgehen griffen hier ineinander, ließen künstlerische Produkte direkt neben theoretischen Auseinandersetzungen auftreten und resultierten schließlich in der Formulierung eines Weltmodells, das die bislang singulär erscheinenden Sätze der `Pataphysik in einen größeren Zusammenhang stellte. Dokumentiert ist dieser Prozess im fünfbändigen Kompendium METHODOI das vom IWF 2013 im Eigenverlag herausgebracht wurde. Auf mehr als 2500 Seiten wird man darin Zeuge davon, wie das IWF fiktive Wissenschaftler und Künstler samt zugehörigen Apparaturen, Forschungsarbeiten und Kunstwerken erschafft und diese dann in Ausstellungen, Radiosendungen, Vorträgen, ja auch im Kompendium selbst, formal und inhaltlich mit dem Kanon unserer bestehenden Kultur zu verweben versucht. Die Intention dahinter war zu verstehen, unter welchen Bedingungen man eine Information als wahr annimmt und unter welchen man ihr misstraut. Dabei zeigt sich recht deutlich, dass das was wir Realität nennen etwas ist, das nach formal-ästhetischen Kriterien funktioniert. Sogar die Naturwissenschaft, die aufgrund ihres apparativ-mechanischen Anspruchs gerne gänzlich jenseits von Ästhetik vorgestellt wird, kann letztlich die Welt nicht so darlegen wie sie ist, sondern nur so, wie sie aus naturwissenschaftlicher Perspektive erscheint. Jede Weltsicht, jedes Weltkonzept entspricht einem ganz spezifischen Standpunkt in der Welt. Jede Weltsicht geht von ganz bestimmten Annahmen aus, was als Wesentlich zu beachten ist und was unwesentlich und somit vernachlässigbar ist. So wie jedes für-wahr-nehmen ist auch die moderne Wissenschaft eine Ableitung der Wahrnehmung und damit selektiv.

Wenn aber die moderne Wissenschaft eine Ableitung der Wahrnehmung ist, dann erscheint letzten Endes auch nicht mehr der Geist, dem „cogito ergo sum“ entsprechend, als das wahre und erkenntnisbegabte Wesen des Menschen, sondern der gesamte Leib. Dies wird gestützt durch die Tatsache, dass der Geist sich evolutionär aus dem Leiblichen herausentwickelt. Alles Erkennen gründet entwicklungsgeschichtlich im Leiblichen, ist eine Ableitung der Wahrnehmung. Jede Wissenschaft, jede Metaphysik und Religion gründet in der initialen Tatsache, dass das einzelne Wesen an äußere Grenzen stößt und, dass es dort auf etwas anderes trifft, das ihm, da es ja den Rand mit ihm gemeinsam hat, ähnlich und fremd zugleich ist. Der Mensch kann die Welt nur von seinem Leib aus projektiv und mimetisch ergründen. Zwischen Mensch und Welt besteht so auch eine Ähnlichkeitsbeziehung. Auf dieser basiert jede Auseinandersetzung mit der Welt. Denn wie bei jedem Gespräch ist auch hier als kommunikative Grundvoraussetzung Mimesis notwendig: nämlich die Annahme der Ähnlichkeit zwischen den beteiligten Partnern. Denn ich muss mir den Andern ähnlich machen/vorstellen, damit ich annehmen kann, dass er mich versteht, und ich versuche mich dem Anderen ähnlich zu machen, um ihn verstehen/nachempfinden zu können.

Im Zuge dessen, dass der Leib im Verlauf unseres Lebens von der Welt selbst zunehmend zum Modell für die Welt wird, entfernt sich dieser äußerste Rand der Welt von der Haut des Leibes und macht sich am Horizont bzw. an der Oberfläche der Erde(Welt-Kugel), an der Götter als bildende Prinzipien tätig sind, oder aber auch in der Oberfläche des Universums(Welt-All) fest. Die Grenzen zwischen dem Irdischen und dem Überirdischen bzw. zwischen dem All und dem Nichts sind in ihrem jeweiligen Weltverständnis existenzielle Schwellen, die in der Vorstellung der Haut als individuelle Trennung zwischen dem Äußerem und dem Inneren gründen. Sie sind eine Variation des Randes unseres Leibes. Die Welt ist und bleibt der Metaleib des Menschen.

So sind schon auf körperlicher Ebene die grundsätzlichen Fragen zu erahnen, die auch „die Wissenschaft“ prägen: Wer bin ich? Was ist die Welt? Woher komme ich? u.v.a.

Alle diese Fragen gründen letzten Endes im Leiblichen, sind materialisiert im physischen Rand unseres Leibes, im belebten und unbestimmten und paradoxen Rand, zwischen dem Offenen und Geschlossenen, zwischen dem Eigenen und dem Anderen, zwischen dem Körperlichen und dem Projektiv-Geistigen. Und der Rand und damit auch die Fragen müssen, auch wenn man ihn festzustellen bzw. sie zu beantworten versucht, letzten Endes immer offen bleiben, um so etwas wie Veränderung, Entwicklung und Plastizität möglich zu machen. Die Welt ist so wie der Körper bzw. der Leib stets in Metamorphose, in Umbildung.

Im Verlauf der Entwicklungsgeschichte aber auch im Verlauf der Individuation bedient man sich dabei unterschiedlicher „Metaphern“ diese Ähnlichkeitsbeziehungen zwischen Mensch und Welt darzustellen. Die Vorstellungen des Kosmos als Lebewesen, als Garten, als Maschine, etc. bieten uns über das mimetische Moment die Möglichkeit mit der Welt in Zwiesprache zu treten. Sie bieten uns also Handlungs-, Nutzungs- und Orientierungskonzepte. Auch wenn wir viele dieser unterschiedlichen Weltvorstellungen selbst erleben, sind wir dennoch stets davon überzeugt, dass schließlich und endlich nur ein einziges dieser Weltbilder das richtige und wahre ist. Auch die Annahme, dass alle anderen Lebewesen und Dinge um mich herum ebenfalls in dieser einen Vorstellung von Welt leben, der ich angehöre, bleibt zumeist stillschweigend angenommen und unhinterfragt. Selbst in der Konfrontation mit explizit ausgesprochenen anderen Weltvorstellungen sind wir davon überzeugt, dass auch deren Vertreter in jener Welt leben, in der auch ich lebe, und dass sie, wenn sie anderes behaupten, sich schlicht täuschen. Dies entspricht der Projektion des eigenen Leibes auf die Welt, denn letzten Endes kann der Mensch ja nur in seinem eigenen Leib zuhause sein. Wir können ja, da wir unseren Standpunkt nur projektiv verlassen können, nicht wirklich einen unabhängigen, d.h. jenseits der eigenen Kultur, des eigenen Lebensumfeldes, jenseits des Menschlichen, jenseits der Welt, einnehmen, um zu entscheiden ob eine bestimmte Weltvorstellung – unter all den vielen mit denen wir konfrontiert sind – den vermeintlich tatsächlichen Verhältnissen besser entspricht. Ja noch mehr: Da jede Weltwahrnehmung, so wie die Wahrnehmung generell, selektiv ist, mit Erwartungen und vorgefertigten Kategorien operiert, Bedeutsames und Unwichtiges filtert, und neue Bedeutungsebenen kreiert, ist ganz generell zu bezweifeln, dass wir im Stande sind so etwas wie die tatsächliche Natur der Welt zu ergründen. Wahrnehmung funktioniert ja nicht wenn wir wirklich alles als Wesentlich erachten würden.[1] Wir müssen selektiv, d.h. nach einem bestimmten Standpunkt vorgehen, nur so können wir die Welt feststellen, sie bestätigen, aktualisieren und damit verändernund erhalten. Der Wahrnehmung entsprechend wird dementsprechend nur „sinnvolles“, d.h. nur etwas das unsere Sinne hierfür aufbereiten, in der Erkenntnisproduktion dargestellt.

Unseren ganz unterschiedlichen Standpunkten in der Welt entsprechend existieren also verschiedene ganz unterschiedliche und dennoch gleichwertige Weltvorstellungen. Die Kategorien Richtig und Falsch existieren also nur in Bezug auf einen einzelnen Standpunkt. Einzig und allein in Bezug auf diesen können wir konstatieren: „ja dies ist die richtige Weltsicht“, und klassifizieren damit alle anderen als täuschende. Stellen wir uns jedoch projektiv jenseits des einzelnen Standpunkts auf, dann gibt es kein Richtig oder Falsch, dann hat derjenige der behauptet, die Erde sei eine Scheibe, ebenso recht, wie jener der davon überzeugt ist eine Weltkugel zu bewohnen. Es ist eben alles so wie es ist, denn es hat sich in dieser speziellen Weise manifestiert.

Die Welt der „Pataphysik ist dementsprechend eher Potenzial als physische Gegebenheit und erscheint mehr als Multiversum denn als Universum, als ein Mosaik von unterschiedlichen Standpunkten, die mehr oder weniger miteinander verwandt sind. Sie sind einander ähnlich und können doch zugleich auch sehr unterschiedlich sein. Letzten Endes verbirgt sich hinter all dem die Annahme eines evolutiven, vernetzten, aufeinander bezüglichen Systems. Die Dinge stehen miteinander in Beziehung, verweisen aufeinander, stehen in einer verwandtschaftlichen Abstammungsbeziehung, in einem gegenseitigen Verweisungszusammenhang, der im Grunde durch poetisch kreative Paradigmen geleitet wird. Nach diesen Paradigmen ist der Kosmos entstanden und nach ihnen funktioniert er auch heute noch, wobei die Paradigmen selbst dabei nicht unverändert geblieben sind, sondern sich auf unterschiedlichen Ebenen der Entwicklung, mit jeder neuen Facette, jedem neuen Produkt das Teil des Kosmos wurde, variiert und weiterentwickelt haben. Wir alle sind durch diese Paradigmen mitbedingt und bringen als Produkte des Kosmos diesem und uns entsprechende weitere Produkte hervor, und tragen damit zur Bestätigung, Veränderung, Aktualisierung und Erhaltung von uns selbst und der Welt bei.

Der Mensch ist im „pataphysischen Sinne also in erster Linie ein poetisch kreatives Wesen und als solches Teil eines poetisch kreativen Kosmos. Der Mensch ist ein Wesen, das die Welt und sich selbst gestaltet, ein Wesen, das der Imagination fähig ist und das mit deren Hilfe die Welt und sich selbst hervorbringt. In diesem Sinne ist die „Pataphysik eine Wissenschaft, die sich mit dem Besonderen auseinandersetzt, mit den besonderen Standpunkten in der Welt. Dabei tritt sie allem, ganz gleich ob dies ein Ding, ein Lebewesen oder eine Welthaltung ist, stets mit Respekt und Achtung gegenüber. Auch wenn sich die „Pataphysik dabei selbst als Wissenschaft jenseits der „Naturwissenschaft und der Metaphysik“ – ja jenseits der Dinge – als Beobachter präsentiert, ist auch sie nichts weiter als ein kleiner Teil im Spektrum der kreativen Produkte des Kosmos. Denn auch sie repräsentiert nur einen spezifischen Standpunkt: den „pataphysischen.

Und exakt ein solcher spezifischer Standpunkt ist eben die Grundvoraussetzung dafür, sich selbst und die Welt überhaupt festzustellen zu können, ist notwendig um sich in ihr zu orientieren, und damit auch um handelnd tätig werden zu können. So kann auch die „Pataphysik als Orientierungs- und Handlungskonzept im Alltag angewandt zur Realität kristallisieren. Ja, es deutet sich sogar an, dass exakt sie zunehmend dem gegenwärtigen Standpunkt unserer Kultur entspricht und hierbei einen naturwissenschaftlichen ablöst. So führen Globalisierung und Medialisierung dazu, dass wir zunehmend mit einer Pluralität von Weltvorstellungen und virtuellen Realitäten konfrontiert werden, resultieren Untersuchungen kognitiver Fähigkeiten von Tieren in einer Abschwächung des Tier-Mensch Gefälles und in steigendem Respekt vor anderen Lebewesen, setzt sich weiters in der modernen Wissenschaft, wie beispielsweise in der Gentechnik, immer mehr ein kreatives Forschungsparadigma anstelle eines beschreibenden durch und fordert nicht zuletzt auch die aktuelle Häufung von Krisen der mechanistischen Weltvorstellung – die im Grunde ja alle mit der Frage nach Respekt und Achtung dem Anderen gegenüber verbunden sind – dazu, sich mit alternativen Systemen und Weltvorstellungen auseinanderzusetzen. All diese rezenten Konfrontationen mit anderen Standpunkten stützen zunehmend die Vorstellung, dass nicht eine allgemeingültige, eindeutige und determinierte Welt existiert, sondern dass viele gleichwertige Standpunkte nebeneinander bestehen, die das Bild einer vieldeutigen, kreativen und wandelbaren Welt ergeben. Auch wenn uns die explizite Vorstellung noch etwas fremd anmutet, so erscheint die Welt heute dennoch schon mehr als Multiversum denn als Universum. In diesem Sinne gilt es die „Pataphysik ernst zu nehmen, ihre Methoden zu ergründen und sie anzuwenden um Erkenntnisse in Bezug auf die Fragen nach dem Wesen, der Struktur und den Dynamiken einer pluralistischen und anarchisch strukturierten Welt zu generieren, und daraus Nutzbringendes für unser Leben und Handeln abzuleiten.

 

(3) Der „Pataphysiker und die „pataphysische Untersuchung

 

Im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Weltsicht liegt der „pataphysischen also die Vorstellung zugrunde, dass die Welt nicht mechanistisch determiniert und damit eindeutig ist, sondern dass sie vieldeutig ist, und von Imagination, Phantasie und Ästhetik geprägt wird. Dementsprechend gilt es den „Pataphysiker im doppelten Sinne als Artisten zu begreifen, als einen der kreativ tätig ist, als jemanden der einen Drahtseilakt vollbringt, und dabei bisweilen auch abzustürzen droht. Ja manchmal erscheint uns dabei auch ein Clown, der in all seiner Naivität seine plumpen Schuhe für federleichte hält und immer wieder auf die Nase fällt. Er selbst scheint darüber aber nicht sonderlich betrübt, denn das Scheitern entspricht ebenso seiner Natur wie der Erfolg. Trial and Error. Es geht eben darum mit der Welt zu spielen, sie auf den Kopf zu stellen, mit aller Naivität die Begriffe, Erwartungen, ja die Welt und sich selbst zu öffnen um mit ihr in Zwiesprache zu treten. Es gilt sich selbst und die Welt zu opfern um wirklich leben zu können. Sowie der Artist in all seiner Exponiertheit nicht lebensmüde ist, wenn er sich in Gefahr – ja an den Rand des Lebens und der Welt- begibt, sondern ganz im Gegenteil die Welt auskostet, gilt es den Mut aufzubringen sich seine Welt zu erschaffen und Don Quichote gemäß zu vergessen, dass Realität stets auch Illusion ist. Die Illusion ist ja, so wie das Spiel, nicht bloß – wie uns beigebracht wurde – eine Welt des Scheins, sondern ist immer auch eine uns potentiell verschlingende Realität.

Der Anspruch auf Erkenntnis liegt im „pataphysischen Sinne also nicht in erster Linie darin, die Welt durch ein singuläres System zu beschreiben um damit eine einzige Wahrheit zu entdecken, sondern schlicht darin, innerhalb ihrer kreativ tätig zu sein. Es geht darum, imaginäre Lösungen aus dem Potentiellen heraus sichtbar zu machen, sie durch uns zu erfüllen, lebendig zu machen. Dies bedeutet die Welt und uns selbst abzutasten, dies bedeutet beizutragen die „wahre“, vieldeutige Natur der Dinge sichtbar zu machen. Das Wesentliche zeigt sich schlicht indem man tätig ist, denn der Mensch ist, so wie der gesamte Kosmos, ein schöpferisches, ein poetisches Wesen, ein Wesen das im Grunde nicht unbedingt von Naturgesetzen oder von Göttern geprägt ist, sondern von den Gesetzen des Gestaltens und der Ästhetik.

In diesem Sinne widmet sich der „Pataphysiker in seinen Untersuchungen den poetisch kreativen Paradigmen der Welt. In Theorie und Praxis gilt es die Muster darzustellen, nach denen unser Kosmos strukturiert ist, nach denen er funktioniert und entstanden ist. Der „pataphysischen Welthaltung entsprechend sind Studien dabei nicht rational-logisch formulierbar, sondern ästhetisch-logisch. Dies äußert sich unter anderem auch darin, dass Kunst und Wissenschaft als potentielle Instrumente der „Pataphysik nicht mehr als zwei voneinander getrennte Bereiche auftreten, sondern im Sinne kreativer Äußerungen des Menschen miteinander vereint. „Pataphysische Studien sind dementsprechend multimedial.

(4) Das Pegasus-Institut für „Pataphysik (PIP)

Es gilt also die Vielfalt der Welt und nicht ihre Einfalt zu entdecken. Da dies aber nur als kumulative und kollektive Unternehmung zielführend erscheint, wurde das Pegasus-Institut für „Pataphysik (PIP) gegründet. Aufgabe dieser Institution ist die theoretische und praktische Untersuchung imaginärer und potentieller Wirklichkeiten um die Diversität und Exzentrizität der Welt im Sinne eines „pataphysischen Multiversums zu dokumentieren. Demgemäß soll das Pegasus-Institut für „Pataphysik ein Ort sein an dem die bunte Vielfalt der Welt und des Menschen sichtbar wird, ein Ort an dem die Grenzen der Welt und die des Menschen wandlungsfähig und offen sind, ein Ort an dem die Illusion eine Realität ist und die Realität eine Illusion. Als „pataphysische und damit im eigentlichen Sinne anarchische Institution ist das Pegasus-Institut für „Pataphysik selbst dabei stets unberechenbar und widersprüchlich, tritt nur sporadisch und unvermittelt in Erscheinung und bleibt dabei ständig in Verwandlung.

 


[1]Die Welt muss ja vieldeutig sein um wandelbar weiterbestehen zu können.

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